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Udo Arnold. Tannenberg / Grunwald als politisches Symbol im 19./20. Jahrhundert

Tannenberg und Grunwald waren in Preussen / Deutschland wie in Polen Symbole, wenngleich von unterschiedlicher Art und unterschiedlichem Gewicht. In Deutschland uberwog lange Zeit der Schamfaktor mit dem Versuch des Verschweigens oder der Reaktion, Niederlage und Heldentum unmittelbar miteinander zu verbinden, so dass das Heldentum die Niederlage uberstrah­len konnte. Erst die Masurenschlacht von 1914 vermochte Tan­nenberg zu einem positiven Symbol zu machen, wenn auch in Schieflage durch eine weitgreifende, panslawische Identifikati­on. Jedoch nie war Tannenberg so popular, dass es Eingang im Sprichwort gefungen hatte. Man erlebte sein Waterloo, nie jedoch sein Tannenberg. Und nach 1945 spielte es praktisch keine Rolle mehr.

In Polen dagegen war Grunwald im 19. wie bis zum Ende des 20. Jahrhunderts immer popular, erfullte stets eine Rolle als Ab­wehr gegen Preussen / Deutsches Kaiserreich / Drittes Reich / Bundesrepublik. Grunwald war grundlegender Bestandteil pol­nischer Identitat in allen Bevolkerungsschichten und erfuhr in allen moglichen Medien immer wieder eine Neuformulierung. Erst die Anderung des gesamtpolitischen Umfeldes in einem sich rasant verandernden Europa liess den Symbolwert schwinden. Polen in der Europaischen Union benotigt den Mythos Grunwald mehr nicht.