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Reiner Lindner. Belarusian historians under Stalin (1870-1945).

Die Berufsintelligenz der Stalinzeit war nach ihrer nationalen, sozialen und Altersstruktur auβerordentlich heterogen. An den Instituten und Hochschulen bildeten seit Mitte der zwanziger Jahre „bürgerliche“ Gelehrte und junge, zumeist schmalgebildete Parteienthusiasten den Mitarbeiterbestand. In der Weiβrussischen Sowjetrepublik etablierten sich erst zu Beginn der zwanziger Jahre akademische Strukturen die Minsker Staatliche Universität sowie als Kern der künftigen Akademie der Wissenschaften, das Weiβrussische Kulturinstitut. Die Geschichtswissenschaften waren an beiden Einrichtungen von Anbeginn vertreten. Als eine Kollektivbiographie stellte die Abhandlung am Beispiel von fünf namhaften Historikern M.V.Daunar–Zapolski (1867–1934), V.I.Pičeta (1878–1947), U.M. Ihnatouski (1881–1931), V.Ju.Lastouski (1883–1938) und um V.K.Ščarbakou (1898–1939) dar, welche Wissenschaftlerprofile sich bis zur ersten Terorrwelle gegen die nationale Intelligenz im Jahr 1929/30 herausbildet hatten. Der zeitliche Untersuchungsrahmen bezieht die unterschiedlichen biographischen Voraussetzungen des 19. Jahrhunderts ebenso ein, wie den Bruch der wissenschaftlichen Biographie (Daunar–Zapolski, Pičeta) und der Lebenswege (Lastouski, Ihnatouski, Ščarbakou) in der Zeit des groβen Terrors 1936/38. Die archivgestützte Untersuchung ist in doppelter Hinsicht eine Fallstudie: einerseits stehen die Historiker für ähnliche oder gleiche Entwicklungen in anderen Wissenschaftsbereichen, andererseits lieβen sich die hier beschriebenen Tatbestände auch in anderen nationalen Sowjetrepubliken der Zwischenkriegszeit untersuchen. Anhand der Studie Aussagen zum Stalinismus in der Provinz und in den Wissenschaften machen.